Hallo Zeitreisender,
hm, das ist ein schwieriges Thema. Du schreibst, dass du nicht versucht hast sich mit deiner Mutter auszusöhnen, weil du wusstest, dass du sie nicht erreichst und es dich wieder nur frustriert hätte.....
Ich kenne dieses Problem nur zu gut, nur ist es bei mir aktuell, weil meine Mutter lebt. Ich weiß ebenfalls, dass ich niemals über ein normales Gespräch an sie heran kommen werde. Das liegt u.a. darin, dass ich zwar aufgehört habe, ihre Tochter zu sein, in dem Sinne, dass sie mich beschützt, mich lehrt, mir die Welt zeigt, dass ich also nun auf meinen eigenen Beinen stehe, sie aber immer noch die Mutterrolle voll auszufüllen versucht. Sie hat nie losgelassen und versucht eine Freundin zu werden. Und dies gibt natürlich nun Reibereien, weil sie sich immer noch über mich stellt. Das, was sie sagt, ist Gesetz. Sie kann z.B. auch nicht mein Leben aus meinen Standpunkten heraus betrachten sondern tut das immer aus ihren. Und da kommen wir zum nächsten Problem: Für meine Mutter bin ich IHR Kind, dh. aber auch, dass sie mir nie eine eigenständige Persönlichkeit zugestanden hat und zugestehen wird. Ich bin IHR Fleisch und Blut, also habe ich auch so zu funktionieren, wie sie es will, denn SIE hat mich erschaffen....
Aber wir wissen, dass das so nicht ganz richtig ist. Sie hat zusammen mit meinem Vater meinen Körper erschaffen, nicht aber meine Seele!!! Sie hat das Gefäß bereit gestellt für diese...
Es ist für mich sehr schwierig mit dieser Situation umzugehen, da ich sehr gerechtigkeitsliebend bin und mich dagegen wehre, wenn mir jemand, in welcher Form auch immer, zu nahme kommt, ohne dass ich das will. Ich habe versucht mit ihr zu reden, mich gegen ihr Verhalten zu wehren und wurde behandelt, wie ein kleines Kind. Sie sagte zu mir "Was bist du denn so zickig?". Beim zweiten Gespräch (3 Wochen vor Ostern), ein Telefonat, hat sie dann aufgelegt.
Zu Ostern bekam ich dann eine Karte von ihr, dass sie ihre Haustürschlüssel wiederhaben will....
Ich habe mich seitdem nicht mehr gemeldet und seitdem geht es mir gut. Ich habe nicht mehr einmal die Woche nach dem gemeinschaftlichen Telefonat einen dicken Hals, weil ich mich über sie ärgere. ABER! es ist alles nur Selbstschutz und ich weiß, dass dies eine Aufgabe ist, die gelöst werden will und die besteht nicht darin zu warten, dass sie stirbt, sondern in Vergebung.
Ich weiß, wie die Kindheit meiner Mutter war, warum sie in vielen Dingen so handelt, wie sie handelt, warum sie so ist, wie sie ist. Ich kenne sie besser, als sie sich selbst, weil sie ein Mensch ist, der immer nach Außen geht, aber niemals nach innen (was auch ein Selbstschutz ist). Sie kennt sich nicht, sie kennt ihre Gefühle nicht, sie weiß nicht, warum sie ständig krank ist, woher das kommt, welche Verstrickungen es in ihrem Leben gibt...
Und ich darf ihr einfach nicht böse sein, weil sie so ist wie sie ist und weil ich zu einer falschen Zeit an einem falschen Ort war und sehr viel negatives durch sie erfahren habe.
Sie ist in ihrer Erziehung, in den gesellschaftlichen Schemata, in irgendwelchen moralischen und christlichen Aspekten gefangen und sie hat es nie in ihrem Leben gelernt da raus zu kommen. SIE IST GEFANGEN!!!
Ich darf zwar wütend sein, über das, was sie mir angetan hat, aber Wut ist eine Energie, die entsteht für Situationen, die man ändern WILL, aber NICHT ÄNDERN KANN. Wut ist sinnlos.
Ich möchte nicht mehr wütend sein..... und ich bin auch nicht die Person, um die es geht. Es geht um sie, um diese, arme, bemitleidenswerte Frau. Es geht darum so stark zu werden (tiefe Liebe zu empfinden) und sich selber aus diesem Gefüge heraus zu ziehen, so dass es einem nichts mehr anhaben kann und es geht darum ihr zu vergeben für all das, was sie mir angetan hat....
Jetzt kann ich das noch nicht. Aber ich denke ich bin auf dem guten Weg eines Tages vor sie zu treten und zu sagen: "Mama, ich vergebe dir."