Engel der Geduld
Es zieht ein stiller Engel
Durch dieses Erdenland,
Zum Trost für Erdenmängel
Hat ihn der Herr gesandt.
In seinem Blick ist Frieden
Und milde, sanfte Huld,
Und folg’ ihm stets hernieden,
dem Engel der Geduld.
Er führt mich immer treulich
Durch alles Erdenleid,
Und redet so erfreulich
Von einer schönern Zeit.
Dann willst du ganz verzagen
Hat er doch guten Muth
Und hilft das Kreuz dir tragen
Und macht noch alles gut.
Er macht zu linder Wehmut
Den herbsten Seelenschmerz,
und taucht in stille Demuth
Das ungestüme Herz;
Er macht die finst’re Stunde
Allmälig wieder hell,
er heilet jede Wunde
Gewiss, wenn auch nicht schnell.
Er zürnet nicht deiner Thränen
Wenn er dich trösten will,
Er tadelt nicht dein Sehnen
Nur macht er’s fromm und still.
Und wenn in Sturmes Toben
Du murrend fragst: Warum?
So deutet er nach Oben,
mild lächelnd aber stumm.
Er hat für jede Frage
Nicht Antwort gleich bereit;
Sein Wahlspruch heißt: Ertrage,
Die Ruhstatt ist nicht weit.
So geht er dir zur Seite
Und redet gar nicht viel
Und denkt nur an die Weite –
An’s schöne große Ziel.