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Mama im Schrank (1 Leser) (1) Gast



 
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THEMA: Mama im Schrank
#11025
Mama im Schrank
(06.05.2010 08:06)  
 


Mama im Schrank

Vorwort
Eine zauberhafte Geschichte über eine fast ganz normale Familie und einen nicht ganz so normalen, geheimnisvollen Schrank...
... er führt zu einer anderen Welt, einer anderen Dimension, einem Ort des inneren Friedens und der Wahrheit.

Mama


Streitet nicht so! Nicht so laut, ich bin müde, ich bin gestern spät ins Bett!
Mama wollte nicht aufstehen aber gerade heute waren Tamara und ich besonders früh wach.
Wie spät ist es denn?
Simone schaut auf Papas Uhr. Sechs punkt nochwas.
Mama stöhnt. Zu früh. Viel zu früh.
Nur bis 7 Uhr, seid bitte noch ein bisschen ruhig, ich muss erst wach werden sagt sie schläfrig und zieht sich die Decke über die Ohren. Das ist nicht einfach weil meine kleinere Schwester Tamara unter ihre Decke kriecht, ihr die eiskalten Füße in die Seite stemmt und sie an den Haaren zieht.
Ruhig sein, Klappe halten, ja das hat sie oft gesagt. Oder: hier wird nicht gespielt! In einem ruhigen Augenblick hat sie mir fast traurig erklärt, Erwachsene spielen nicht mehr. Sie wissen nicht mehr wie das geht.
Manchmal hat sie auch geschrien. Wenn das Schlafzimmerfenster offen stand (und es stand fast das ganze Jahr über offen, es sei denn es war wirklich sehr kalt) hat man ihre Stimme im ganzen Viertel gehört.
Sie wurde auch dann lauter, wenn wir wieder mal nicht gehört haben. Oder beim "Einschlafterror" wie sie es nannte wenn wir noch stundenlang nach dem Hinlegen herumgeturnt sind, gespielt haben und natürlich auch nicht gerade leise waren. Regelmäßig hat sie uns aus dem Schlafzimmer geworfen, wenn sie "genervt war".
Sie hat viel gearbeitet. Ihr Computer stand im Schlafzimmer und seit wir Kinder da waren hat sie dort gearbeitet. Manchmal haben wir zusammen ein Kartenspiel gemacht und ich durfte die Karten ablegen.
Alles war ganz normal. Bis zu diesem Tag. Wir haben wieder gespielt, Mama würde allerdings sagen wir haben uns gestritten. Diesmal hat sie nicht geschrien, noch nicht mal geschimpft.
Sie ging einfach in den Schrank.
Meeeeeeeeenack, Popeeeeeeeeeeemack, Meeeeeeeeeeemack,.... plapperte Tamara ohne Pause. Sie konnte mit ihren 3 Jahren zwar schon gut sprechen, hatte aber einige Nerv-sprüche auf Lager.
Mama war weg.
Ich bin zur Schranktür (es ist ein ganz normaler Schlafzimmerschrank aus Holz) gegangen und habe gehorcht. Es war ganz leise. Wir haben eine ganze Weile davor gewartet. Natürlich haben wir sie auch gerufen, aber nichts kam aus dieser Stille. Unser Ruf wurde sicher auch viele Häuser weiter gehört weil das Fenster geöffnet war. Es war Frühling und schon recht angenehm warm.
Jetzt waren wir auch ganz still. Von draußen hörte man leise die Autos. Wir wohnten fast an der Hauptstraße, gerade eben neben der Ecke. Mama hat das wohl oft gestört und sie hat über den Lärm geschimpft. Sie hatte diese Ohrgeräusche und deswegen mochte sie nichts Lautes.
Dieser Tag war wirklich merkwürdig. Was macht sie denn da drin?
Irgendwann wurde es uns zu langweilig und wir sind wieder spielen gegangen und zu unserem geheimen Schokoladenversteck. Ich glaube, Mama hat es doch gewusst. Wir haben viel machen dürfen wenn wir ruhig waren und nicht gleich das ganze Haus in Chaos versetzt haben.
Mama hat oft gesagt: ein extra Zimmer, ein kleines Büro wäre schön. Viel Platz für die Kinder, eine Wiese drumherum, einen Spielplatz und ganz viel Raum zum Spielen und Toben.
Sie hat oft von einem Haus im Grünen geträumt. Mama hat viel geträumt. Aber wir hatten nicht viel Geld und so haben wir jahrelang neben der Hauptstraße gewohnt. Sie wollte auch kein Geld leihen, irgendwie dachte und träumte sie, sie bekäme es geschenkt, einfach so.
Irgendwann kam sie dann doch wieder aus dem Schrank. Sie war irgendwie ein bisschen anders. Sie hat sich noch nicht einmal aufgeregt weil wir – wie üblich – das Wohnzimmer verwüstet hatten. Die Kissen waren über die ganze Etage verteilt, Sessel und Teppiche bunt zusammengewürfelt. Aber sie war ganz still und hat die ganze Zeit nur leise gelächelt.
Sogar als Tamara eine ganze Weile rumgeschrien hat (kleine Schwestern schreien oft) war sie still.
Das ist uns erst gar nicht so richtig aufgefallen. Sie hatte ja auch schon wenn sie selber mal laut gewesen war ein schlechtes Gewissen gehabt und sich eine Weile vieles gefallen lassen, auch Lärm und Dreck.
Dreck und Putzen mochte sie nicht besonders. Auch nicht das Chaos im Kinderzimmer. Aber trotzdem musste sie das ja irgendwann machen. Mamas machen das. Auch wenn sie eigentlich lieber träumen würden oder spazieren gehen oder ein Buch lesen oder gemütlich auf dem Sofa liegen und fernsehen wollen.
Manchmal hat sie hinterher tagelang einen Ausschlag an den Händen gehabt. Sie hat mich dann gebeten, zu spülen. Das habe ich gerne gemacht – manchmal. Aber nur, wenn es nicht zu viel war.
Sie war wohl ziemlich empfindlich. Es war auch mal kurz eine Putzfrau da, das war toll. Leider hatte sie bald einen anderen Job gefunden und es kostet ja auch einiges, wenn jemand hilft den Haushalt in Ordnung zu halten.
Klar, Papa hat auch geholfen. Aber der arbeitet ja den ganzen Tag und abends hat er auch Arbeit an seinem eigenen Computer am Keller.
Die nächsten Tage nach ihrem Schrankausflug war sie immer noch ruhig. Sie hat nie wieder mit uns geschrien.
Sie hat auch nicht mehr alles so oft gesagt. Früher hieß es räum dein Zimmer auf, mindestens hundertmal. Erst noch leise und dann immer lauter und wütender. Wir haben das trotzdem nicht gemacht weil wir keine Lust hatten und lieber spielen wollten
Ja, sie hat nur noch sehr wenig gesprochen.
Ich habe sie ab und zu in den Schrank gehen sehen. Oft habe ich an der Tür gelauscht. Es war ganz still, aber ich hatte so ein merkwürdiges Gefühl als gäbe es eine ganz leise, sanfte, helle Musik in mir. Das war schon irgendwie komisch.
Einmal wurde ich wütend als sie drin war. Sie sollte mir helfen. Ich habe ganz arg an der Tür gerüttelt, aber sie ging nicht auf.
Und da war so ein Licht, ein ganz sanftes aber doch helles Licht was ich von draußen durch die Ritzen schimmern sah.
Einmal bin ich als Mama in der Küche war und einige ihrer Merkwürdigkeiten gekocht hat heimlich ins Schlafzimmer geschlichen.
Der Schrank war ganz normal, wie ein Schrank eben so aussieht. Innen hingen und lagen – mehr oder weniger ordentlich – ihre Kleider. Das schöne gelbe, was ihr nicht mehr passte, auch das mit den vielen Blumen.
Ich weiß nicht mehr, wann es dann passierte. Sie hat uns wie immer von Kindergarten und Schule abgeholt. Es stand auch – wie immer – etwas zum Essen auf dem Tisch wenn Papa von der Arbeit gekommen ist.
Es war schon merkwürdig, die Wohnung war auch viel ordentlicher als die letzten Jahre. Aber ich habe Mama nie putzen oder aufräumen gesehen. So, als hätten das Geister gemacht.
Sie wurde irgendwie heller und durchsichtiger, wir merkten das erst gar nicht. Als ich ihr einen Gutenachtkuss gegeben habe, war ihre Haut wie Watte.
Sie hat nie mehr geschimpft, auch nicht beim größten Geschwisterstreit oder größter Unordnung. Sie hat so wenig geredet, dass ich mich gar nicht erinnern kann wann sie das letzte Mal etwas gesagt hat.
Ich hatte eher das Gefühl, ich höre ihre Stimme in mir drinnen, ganz, ganz leise.
Sie hat immer mehr ihrer Sachen verkauft oder verschenkt. Ich brauche das nicht mehr hat sie gesagt. Die Regale wurden nach und nach leerer und auch der Schreibtisch der normalerweise voll mit einem Papierchaosstapel bedeckt war, war erst aufgeräumt und dann fast gruselig leer.
Es war so, als hätte sich alles in Luft aufgelöst.
In dieser Zeit kam sie mir vor wie ein Engel. Sie hat uns endlich zugehört, nicht mehr genervt oder gar gesagt halt die Klappe. Sie hat viel gelächelt, auch mal genickt oder mir zugezwinkert. Aber meist saß sie ganz still da, mittlerweile war sie fast ganz durchsichtig.
Von den anderen schien das keiner zu bemerken. Ich habe meine beste Schulfreundin gefragt, ob das nicht total merkwürdig ist wen die eigene Mutter unsichtbar wird. Susanne hat mir einen Vogel gezeigt, mich ausgelacht und den anderen erzählt, ich hätte einen Knall. Ich habe nie wieder mit jemand über Mama gesprochen.
Für Papa war das wohl ganz normal. Irgendwann hat er uns von der Schule abgeholt, das Essen gekocht, aufgeräumt.

Simone

Als Mama weg war, war nichts mehr von ihr im Haus. Kein Foto, keines ihrer vielen Bücher, kein Steinchen, nichts. Auch die ganzen Räuchersachen (die Papa nie besonders mochte) waren weg, ihr Schreibtisch, ihre Kleider, einfach alles.
Es war so als hätte es sie nie gegeben.
Zuerst hatte ich Angst, später habe ich sehr oft vor dem Schrank gestanden. Es ist ein ganz normaler Schrank. Papas Sachen liegen oder hängen – mal ordentlich, mal weniger - darin.
Trudel kommt jetzt jeden Tag. Sie bringt Tamara und mich in die Schule, macht sauber, kauft ein, kocht und hilft uns bei den Hausaufgaben. Sie ist ok, aber mit ihr kann ich auch nicht über Mama reden.
Wo sie wohl ist? Was macht sie jetzt? Ist sie ein Engel?
Oft habe ich so viele Schulaufgaben dass ich sie ganz vergesse. Oder ich bin beim Sport oder bei Freundinnen. Tamara ist jetzt auch in der Schule und wir verstehen uns mittlerweile ganz gut bis auf einige Ausnahmen.
Manchmal meine ich nachts, ich hätte ein ganz sanftes Leuchten vor meinem Bett gesehen. Ich spüre ihre Nähe und bin mir sicher, sie sitzt auf meinem Bett. Am nächsten Tag sage ich mir dann, dass das wohl nur ein merkwürdiger Traum war.
Irgendwann habe ich mich mit Tamara gestritten. Warum müssen kleinere Schwestern ständig einem die Sachen wegnehmen? Und warum immer dieses das war ich nicht?
Ich habe bald angefangen zu schreien wie Mama. Aber ärgern und rumschreien ist doof! Mama hat sich nicht mehr geärgert bevor sie ging. Sie hat alles so genommen, wie es kam.
Und dann stand ich vor ihrem Schrank. Er sieht so einladend aus und gar nicht mehr wie ein Möbelstück.
Da war ein riesiger Torbogen aus Licht, mit vielen Blumen und Bändern geschmückt. Viele, viele Schmetterlinge die silbrig glänzten flogen umher. Sie waren bunt und doch ein bisschen durchsichtig. Aber nein, das waren ja gar keine Schmetterlinge! Es waren ja zauberhafte kleine Elfen!
Ich stand nur staunend da und guckte.
Dann ging ich runter und fing mit Tamara einen Streit an. Das war ganz einfach, ich habe nur ihren Farbenkasten genommen. Natürlich schrie sie gleich rum. Ich habe die Farben auf den Tisch gelegt und bin ins Schlafzimmer gegangen.
Es war so, als käme ein Licht durch die Spalten des Schrankes. Es war so, als würde ich eine ganz leise schöne Melodie hören. Es war alles so friedlich. Ich habe gelächelt, einfach so.
Über dem Schrank erschien wieder dieser wunderschöne Torbogen, nein der Schrank wurde zu diesem Tor. Alles war da, die Blumen, die Elfen. Und dann kam ein Duft durch die geschlossene Tür wie von einem riesigen Rosenfeld aus der Tiefe. Waren da Rosen? Nein, irgendwie roch es auch nach Lavendel, nach Orangen, nach – ach nach allem, was gut duftet, als währen alle Wohlgerüche der Welt in nur einem Duft vereint.
Ich merkte gar nicht, dass die Tür ganz von alleine aufging.
Papas Jogginghosen und Pullover waren wie durchsichtig. Stattdessen war ein Weg im Schrank. Ein Waldweg, die Sonne schien durch die wie silbrig glänzenden Bäume.
Träume ich?
Ganz leise höre ich im Hintergrund meine noch immer wütende Schwester. He, du kannst nicht so einfach weggehen! Ich höre ihre Stimme wie aus einer anderen Welt.
Ganz langsam und vorsichtig setze ich einen Fuß auf den Weg. Hinter dem Baum lächelt mich eine Elfe für einen Augenblick an. Ich sehe eine Lichtung, ja da ist eine wunderschöne Blumenwiese. Das ist schöner wie im Urlaub oder in meinen schönsten Träumen. Diese Landschaft verändert sich ständig. Ich denke an Berge und stehe sofort an dem wunderbarsten Bergsee der Welt. Ich danke an die Weite des Meeres und stehe an einem Strand wie er schöner nicht sein kann.
Das Zimmer hinter mir wird transparenter. Ich sehe das, obwohl alles hinter mir ist. Ich atme ganz tief ein. Es ist so wunderbar hier. Eine tiefe Stille ist in mir. Die vielen, wuscheligen Gedanken hören auf. Mein Herz scheint zu glühen, es ist so glückliche dass es hell strahlt.
Ich höre auf zu denken und bin nur noch glücklich. Auf der Wiese die soeben wieder erschienen ist steht ein engelsgleiches Wesen. Es strahlt mich an und ich weiß, seine Arme warten nur darauf mich in den Arm zu nehmen.
Eine kleine Träne rinnt aus meinem linken Auge.
Ich gehe einen zweiten Schritt. Und noch einen.


Tamara

Paaaaaaaaaapa ruft Tamara.
Was ist denn? meint er seufzend. Wir sitzen beim Abendessen und er ist in seine Zeitung vertieft.
Papa, habe ich wirklich keine Schwester?
Der Vater schaut seine einzige Tochter etwas ratlos und leicht verwirrt an. Weil ihm nichts einfällt, was er sagen könnte lacht er kurz und unecht.
Ich kann mit keinem darüber reden denkt Tamara. Sie halten mich sonst für verrückt. Aber ich weiß es, ich hatte eine Schwester und eine Mutter. Oft gehe ich durch die Wohnung und weiß ganz einfach, dass ein paar Zimmer fehlen. Es sollte ein Haus sein und das Schlafzimmer mit den Kinderzimmern sind im 1.Stock. Wo ist alles?
Es ist wie im Nebel, wie in einem Traum. Aber es ist wirklich, ich fühle es ganz deutlich!
Ich soll mir nicht so viele Sorgen über die Schule machen hat der Schulpsychologe gesagt. Ich wäre doch eine gute Schülerin. Diese Gesprächstherapie war lustig. Aber keiner wollte was über Mama oder Simone wissen. Und irgendwann hab ich gesagt, ich hätte wohl nur geträumt und phantasiert weil ich doch so gerne eine Familie hätte. Dann haben sie mich irgendwann in Ruhe gelassen.
Von dem Wunderschrank habe ich keinem erzählt. Ich habe mich lange nicht in Papas Zimmer getraut, aus Angst zu verschwinden.
Nun stehe ich vor diesem Schrank. Der Dinge tut, die unmöglich sind. Der das Tor zu einer anderen Welt ist. Die Tür scheint einen Spalt offen zu sein.
Ich renne aus dem Zimmer so schnell ich kann. Mein Herz klopft laut und scheint gleich zu zerspringen.
Nach einer Weile beruhige ich mich und spitzle am Türrahmen. Die Türen des Schranks sind weit offen. Die Sonne scheint durch die Tür. Ich blinzle in das helle Licht. Da, wo der Sonnenstrahl auf den Teppich scheint ist eine Wiese. Eine wunderschöne Wiese. Ein Traum. Schöner als ein Traum.
Ich gehe vorsichtig einen winzigen Schritt darauf zu. Und dann noch einen, ein wenig größer. Und noch einen.
Mein Mund lächelt, meine Gedanken hören auf. Und ich gehe noch einen Schritt.

Sebastian

Es ist früh am Morgen. Sebastian sitzt alleine am kleinen Küchentisch. Es war gestern ziemlich spät und er fühlt sich noch nicht richtig wach.
Tamara, komm endlich zum Frühstück! Kaum ausgesprochen, hält er verdutzt inne.
Er schüttelt den Kopf. Was war das denn gewesen? Ich habe wohl geträumt.
Ja, er hatte wieder diesen Traum. Diesen Traum von einer Familie. Eine Frau und 2 Kinder - ein Junge und ein Mädchen – nein, es waren 2 Mädchen gewesen.
Während er den Tisch abräumt schüttelt er nochmals den Kopf. Was ist denn heute nur mit mir los?
Er fröstelt. Ganz schön frisch, dieser Mai. Ich werde mir besser eine Weste überziehen. Sebastian geht zu seinen Wohn- und Schlafzimmer. Er hat nur eine kleine Wohnung am Rande der Stadt. Recht ruhig gelegen, seit die Umgehungsstraße gebaut wurde ist es hier im Viertel viel angenehmer. Er lebt schon lange alleine hier.
Nun steht er vor dem Schrank. Was ist nur heute mit mir los? Er weiß nicht so recht, wie er sich fühlt.
Irgendwie fühlt er sich unerklärbar merkwürdig. Alles ist merkwürdig. Das ganze Leben. So als wäre alles unwirklich, nicht real. Er schaut sich im Spiegel an. Irgendwie sind seine Konturen nicht so scharf. Wie ist das möglich? Das kann doch gar nicht sein! Und was ist das für ein Geruch?
Kühle, aber sehr angenehme Waldluft kommt.... ja woher denn eigentlich? Aus dem Schrank?
Er hört eine Stimme, aber nicht mit den Ohren, sondern mit seinem Herzen. Er hat das Gefühl als wäre der Panzer seines Herzens zersprungen.
Ihm ist ganz unheimlich und er geht rasch in die Küche um sich einen extrastarken Kaffee zu machen.
Was mache ich denn hier – ich sollte längst im Büro sein? Aber alles, was sonst wichtig ist, ist ihm jetzt völlig egal.
Es ist wirklich ein sehr merkwürdiger Tag! Alles ist merkwürdig, besonders dieser Schrank.
Er geht wieder nach nebenan und nun riecht das ganze Zimmer nach Wald. Nach Freiheit. Nach Frieden. Ganz langsam nähert er sich, bemüht noch Abstand zu halten.
Es zieht ihn, zu gehen. Nicht aus Zwang, nein, es ist eine starke, tiefe, innere Sehnsucht wie er sie noch nie in seinem Leben gespürt hat
Nach Hause... es gibt nur noch wenige Gedanken.
Ein kleiner Schritt nach vorn. Jeglicher Zweifel ist weg.
Noch einer. Alle Angst ist weg, so als hätte es sie nie gegeben.
Ein kleiner Schritt. Sein Herz öffnet sich wie die Blüte einer wunderschönen gelb-rosa Rose.
Er atmet tief ein. Alles denken ist unwichtig.
Schritt. Nur Sein.
Schritt. Ein feines Lächeln huscht ihm übers Gesicht, nein eher so als wäre eine Maske abgefallen und sein richtiges Gesicht kommt zum Vorschein.
Schritt. Eingehüllt in eine Liebe, die kein Mensch je beschreiben könnte.
Schritt. Er steht vor der Schwelle. Tränen des Glücks und der Freude laufen ihm über sein Gesicht.
Friede. Stille. Er ist an einem Ort, der nie erklärt werden kann, auch nicht mit noch so vielen Worten. Er kann nur erfühlt werden. Alles ist perfekt, so wunderbar, dass es kaum auszuhalten ist.
Da ist eine Musik. War sie schon vorher da? War sie vielleicht schon immer da und man hat sie nur nie gehört?
Ein Licht, nicht außen sondern innen.
Er geht noch einen Schritt....
.... ins Licht

Der Schrank

Das Haus steht schon lange leer sagt der Makler. Ein guter Preis denkt Herr Laban. Es ist wirklich so schön, wie in der Beschreibung. Genau so etwas haben sie schon lange gesucht.
Es gefällt mir hier sagt Frau Laban. Kinder, was meint ihr dazu? Die Zwillinge Emelie und Emil antworten nicht sondern toben lieber durch die leeren Räume.
Frau Laban seufzt. Viel Platz gibt es hier, verkehrsgünstig gelegen, gute Parkmöglichkeiten, die Schule ist nah und doch ist es angenehm ruhig. Alles spricht dafür, hier zu wohnen und zu leben.
Das Paar schaut sich an und ist sich einig.
Ja, wir nehmen das Haus erklärt Herr Laban fast schon feierlich.
Maaaaaaaaaaaama, komm doch mal nach oben schreit Emil vom Schlafzimmer herunter.
Der Makler übergibt Hr. Laban den Schlüssel. Sie können gleich hierbleiben.
Danke, Herr Engel. Man verabschiedet sich an der Haustür.
Die Kinder stehen im Schlafzimmer.
Ah, da ist er ja. Vater Laban schaut sich den Schrank an. Na ja, brauchbar ist er schon und wenn er zur Wohnung dazugehört...
Alle gehen in die neue Küche. Mama bleibt noch ein bisschen um die Aussicht zu genießen.
Irgendwie fühlt sie sich hier wie geborgen. Sie atmet tief ein. Es riecht hier so – sie findet keine Worte. "Friedlich" fällt ihr ein. Ja, es riecht hier friedlich.
Sie nimmt noch einen Atemzug des Friedens und geht dann beschwingt zu den anderen.

Ende

Autor ist mir leider nicht bekannt
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#11209
Aw: Mama im Schrank
(11.05.2010 17:04)  
 


Hu,

jetzt hab ich ne richtige Gänsehaut.

Bin nicht sicher...

Will es verstehen und gleichzeitig grinst mir die Geschichte ins Gesicht und sagt Dummkopf zu mir.

Danke, Süße!
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