Oh du Fröhliche – Wahnsinn im Quadrat
Das Weihnachtsfest stand wieder vor der Tür...wieder ein Anlass, damit die ganze Familie
zusammen kommen konnte. Als im August die Entscheidung gefallen war, das dieses
Jahr unser wertes Heim als Treffpunkt unserer ganzen gestörten Verwandtschaft dienen
sollte – gingen all die kleinen Lämpchen in Papas Kopf an und bereits im September fing er mit seinen Planungen an, die nur er zu verstehen vermag.
Groß sollte es werden. Und was ganz besonderes. Nun, wer unsere Familie kennt,
der weiß, das es irgendwie immer was besonderes ist, wenn der ganze ungefickte Haufen
zusammen kommt.
Papa war die letzten Wochen auf einer Art Baumarkt Tournee. Er wollte alle überbieten.
Seit Jahren gab es einen unausgesprochenen Wettbewerb zwischen unserem bescheuerten
Nachbar „Herr Stanke“ und meinem Dad.
Jedes Jahr wurden es mehr Lichter, die unser und das Haus von Opa Stanke fluteten.
Mit Chevy Chase in „Schöne Bescherung“ als Vorbild – und vom Wahnsinn gezeichnet,
kam Dad am 23. Dezember noch mal mit einer Wagenladung Lämpchen an....
Mom meinte noch, das sie ihm gerne ihren Arzt vorstellen wolle, da seine zwei verbliebenen
Hirnzellen ihren Wettstreit sicher bald mit einem Doppel – KO beenden werden.
Wie immer hat Papa nix gerafft – und sagte nur geistesabwesend: „Was soll ich bei deinem
Arzt? – Meine Genitalien erlauben es mir im stehen zu pinkeln!?“
Der gute alte Dad ist wahrlich keine Leuchte – das beste was er jemals zu stande bekommen
hat – war ich! ...?...wie hat diese Vollpfeife das nur angestellt? Der schreibt Frau doch V.
..aber halt...ich erinnere mich an einen Spruch von Opa – bei Omas Geburtstagsparty!
Nach dem 24. Wodka sagte er zu Dad: „Ja, ich weiss.-....Doof fickt gut“
Ich dachte damals eigentlich er meinte Mom, die er kurz zuvor mit dem Nachbarn von
Oma beobachtet hatte....
Aber zurück zum Weihnachtsfest...
Es war früh am Morgen des 24. als der erste Viehtransporter eintraf.
An Board: Oma und Opa, Onkel Franz und ein Mann den ich nicht kannte.
„Hallo Oma! Geht’s dir gut?“ warf ich der alten Dame entgegen als der fremde Mann
ihren Rollstuhl ins Haus schob.
„Bluuut? Wo denn mein Junge?“ – „Nein – GUT! Ob es dir GUT geht?“
„Danke! Ich finde auch, das der Hut mir gut steht!“
Ich hab’s schließlich aufgegeben – Oma versteht nur noch Bahnhof – und der Zug
ist schon lange abgefahren!
Opa sagte gar nichts – er rannte direkt durch ins Badezimmer! Papa lachte und meinte,
Opa hätte sicher wieder zuviel „Medizin“ genommen und müsse zusehen,
das sein Rüssel wieder in die Hose passt.....was immer das auch bedeutet...?
Onkel Franz stellte den Fremden mit einem weinerlichen und zugleich bewundernden
Tonfall als seinen neuen Kumpel „Spike“ vor – der Weihnachten ganz allein wäre –
und das er ihn deshalb mitgebracht hätte.
„Das ist schon in Ordnung Franz“ – es war nicht schwer zu erraten was Mama sogleich
durch den Kopf spukte. Nymphomaninnen sind eben berechenbar.
Spike war ein ziemlich großer und breiter Mann mit Glatze und einem Milchgesicht,
das auch einem 12 Jährigen gehört haben konnte.
Vielleicht hatte er deshalb so viele böse Tätowierungen und so komischen Schmuck
mit lauter Stacheln – um das Milchgesicht zu kompensieren.
Papa starrte ihn verwirrt an – und reichte ihm ein Bier.
„Hohoho – noch nicht mal Mittag und schon Alkohol?“ sagte der Hühne mit einer
Stimme, bei der ich mir fast in die Hose machte vor lachen!
Es klang ungefähr so, als ob man unserer Katze Nellie auf den Schwanz tritt!
Zusammen mit dem Milchgesicht war das pures Dynamit!
Ich mochte ihn! Aber nicht so wie offenbar meine Mom, die sich bei jeder Gelegenheit
an ihm rieb wie ein läufiger Köter! Was Onkel Franz gar nicht passte – er nahm
sie zur Seite und flüsterte ihr was ins Ohr. Danach sah Mama sehr deprimiert aus.
Alle nahmen im Wohnzimmer Platz und fingen auch gleich an sich ein Bier nach dem anderen in die Birne zu schütten.
Außer Opa – der nun schon eine ganze Stunde im Bad war.
Ich klopfte an die Tür und fragte: „Opa? Kommst du auch bald?“
„Ja....jaaaaa...ich komm....ich komm......gleich...“
Opa und sein Viagra – er war einfach unverbesserlich! Immer nur das eine im Kopf.
Aber da stand er der Familie in nichts nach.
Es muss so gegen 13 Uhr gewesen sein, als draußen ein Trecker zu hören war....
Das konnte nur eins bedeuten: Onkel Rudi war im Anmarsch!
Wo Onkel Rudi war – da war Stimmung! Ich eilte zum Küchenfenster und sah
wie er unsere Strasse rauf kam...und ich hörte ihn brüllen....“aus dem Weeeg!!“
Krrrach.....Paff.........das war wohl mal der Benz von Opa Stanke....
Unser Nachbar kam auch gleich rausgeschossen! Noch während er Rudi anschrie,
lief er so rot an, bis sein Kopf exakt die Farbe seines Mercedes – Wracks annahm.
Papa und Onkel Franz rannten raus zu den beiden, die wie irre begannen aufeinander
einzudreschen!
Papa zog unseren Nachbarn von Rudi weg – Onkel Franz widmete sich dem
Bauern – Rudi.
Ungeschickt wie Papa nun mal ist, stolperte er über eines der unzähligen Kabel
die unser Haus zum Flutlicht machten.
Er hatte Glück....es war ihm nichts passiert....
Opa Stanke hatte nicht so viel Glück...sein Rentner – Schädel landete auf einem
Stein und tauchte Papas neue Hose in ein natürliches rot!
Mama kam dazu und sagte, das sie schon einen Krankenwagen bestellt hat...
Mann....das erste Opfer schon vor dem Weihnachtsessen! Das war ein neuer Rekord!
Nachdem der Opa weggekarrt wurde begaben sich alle wieder ins Wohnzimmer.
„Rudi, Rudi....warum verschrottest du den Traktor nicht endlich!?“ sagte Dad und
wollte sich eine neue Hose anziehen gehen....als Opa aus dem Bad gestürmt kam
und nach „Handcreme“ fragte....
Er gab ihm welche und Opa verzog sich wieder ins Bad – wo er sehr seltsame Geräusche
von sich gab..
Da kam Papa eine Idee....jetzt wo der Nachbar sich entschlossen hatte, den
heiligen Abend auf der Intensivstation zu verbringen – könnte Frau Stanke doch etwas
einsam sein....vielleicht....hmmm......er eilte hinaus und ich sah wie er nebenan klingelte
und auf die Frau einredete...
Die beiden gingen in die Wohnung und es verging ca. eine halbe Stunde bis er mit
Frau Stanke wieder zurück kam!
Sie betraten unser Wohnzimmer und Dad stellte der Verwandtschaft die Nachbarsfrau vor..
Sie musste wesentlich jünger sein, als ihr greisenhafter und wohlhabender Mann.
Ihre langen blonden Haare erreichten schon fast ihren knackigen Hintern.
Ein rotes Nikolaus-Frau Kostüm, zeigte mehr, als es verdeckte – und sie sprach wie die
Frauen in den Filmen, die Mama immer anschaut, wenn Papa nicht da ist!
Wenn ich schon in der Pubertät gewesen wäre, wäre ich sicherlich wie Opa im
Badezimmer verschwunden!
Opa....oh nein...Opa kam neugierig aus dem Bad heraus und bewegte seinen alten
Dauerständer auf Frau Stanke zu.
„Guten Tag und frohes Fest werte Frau!“ stammelte er – und ich war mir sicher
gesehen zu haben, das die Beule in seiner Hose noch größer wurde!
Wenn ich erwachsen bin, möchte ich da unten auch so groß sein – denn die Frau
Nachbarin schien mächtig beeindruckt!
Sie ließ sich „Oldschool – mäßig“ die Hand küssen.
Sicher war es nicht Opas Absicht ihr auf die Hand zu sabbern....er war halt ein bisschen aufgeregt! Was man ja auch verstehen kann! Als er das letzte mal von Omas Brust
soviel gesehen hatte- hat er eine Sehstörung! Es war damals der Tag an dem er das
erste mal zu der „blauen Medizin“ gegriffen hat“ – aber das ist eine andere Geschichte...
Es wurde langsam Zeit, das Essen auf den Tisch zu bringen...
Onkel Rudi hatte extra sein Lieblingsschwein „Krimhild“ geschlachtet.
Mama hatte grade alles aufgetischt und alle fingen an sich die Bäuche zu stopfen.
Onkel Rudi fing an mit vollem Mund und Tränen in den Augen von den letzten
Tagen mit seiner „Krimhild“ zu erzählen....
Schließlich ließ er es sich auch nicht nehmen, zu erwähnen wie er seine Sau
zum letzten male „beglückte“ wie er es nannte....
Schlagartig herrschte eine Totenstille! Besteck viel auf das gute Porzellan und
das scheppern durchbrach das Schweigen...
Alle Blicke waren auf Rudi gerichtet. Verachtend, vorwurfsvoll und angewidert!
Die erste, die das Fleisch in hohem Bogen ausspuckte war unsere Nachbarin!
Sie kannte uns ja alle noch nicht so gut – und konnte nicht wissen, wie durchgeknallt
diese Familie ist!
Allerdings war ich erstaunt, das dieses mal alle angewidert waren...und nach und nach
ein Stück durchgekautes Krimhild – Fleisch nach dem anderen durch den Raum flog!
Onkel Franz saß genau gegenüber von Oma – sein Stück schoss mit einem Affenzahn
auf Omas Brille zu, holte sie von der Nase und ließ sie auf dem Boden in Scherben
zerbersten.
Opa hatte es nicht geschafft, beim Ausspucken seine Zähne festzuhalten – und so schoss
das geschändete Krimhild Stück mit samt Gebiss auf Frau Stanke zu...
„Oh entfuldigung...daf if mir furchtbar peinlich, gnädige Frau“ stammelte er und wurde
auf seine alten Tage rot wie ein Teenager.
Aber unsere Nachbarin war auf Zack! Sie fing das Gebiss mit einer Katzenhaften Bewegung
auf und reichte es Opa mit einem Augenzwinkern zurück.
Papa wollte vom Thema „Schweinerei“ ablenken und sagte: „Es wird langsam dunkel –
Zeit den Baum einzuschalten“
Darauf hatte er schon die ganze Zeit gewartet! Sein Meisterwerk endlich im vollen Glanze
zu präsentieren...
Die Blicke waren auf ihn gerichtet....er steckte den Stecker in die Dose....
...“und nuun...“ – er schraubte die letzte Birne rein......SSSSSSS.......BRRRRR........
...PENG.......PAFF.........
Der Baum strahlte wie ein Atomkraftwerk – während alle anderen Lichter ausgingen,
Leitungen durchschmorten und viele seltsame Geräusche durchs ganze Haus zogen....
Mit einem weiteren lauten KNALL pflasterte es die letzte Sicherung aus dem Kasten
und es wurde dunkel!
10 Sekunden Stille......dann plötzlich: „AHH.....OHH...tschuldigung...KLATSCH!....
heeeey!!....ohjaaa......KLIRR, Schepper.....
Papa drehte die Sicherungen wieder rein....
Nun bot sich ein Bild, das mir vor lachen die Tränen in die Augen trieb:
Opa stand da – in einer Hand seine Zähne, - die andere Hand auf der Brust von Frau Stanke.
Frau Stanke hatte einen Finger in Opas Zahnlosem Mund und ihre freie Hand griff
in die Schüssel mit dem Gemüse.
Da wo der Weihnachtsbaum stand – stand nun Spike in einem Gewirr aus Weihnachtsschmuck und Lämpchen...
Mama lag vor ihm auf dem Boden umklammerte eines seiner Beine,
Onkel Rudi war Kopfüber auf den Tisch geknallt und lag nun in den Überresten
seiner Krimhild – die er gefühlvoll ableckte!
Oma hatte das ganze Chaos gar nicht mitbekommen – sie saß teilnahmslos in ihrem
Rollstuhl und unterhielt sich mit meinem Cousin – der gar nicht da war!
Alle starrten sich kurz an...und setzten sich dann wieder auf ihre Plätze, als wenn nichts
gewesen wäre...
...außer Papa...der sich traurig dem kaputten Weihnachtsbaum zuwandte und versuchte zu
retten, was zu retten war.
Es wurde beschlossen, das Zeit für die Bowle war, um die Stimmung anzukurbeln!
Der Wahnsinn sollte nun also beginnen.....